Neulich auf der Goethe..

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

..eigentlich gehen euch Einzelheiten zu meiner Person gar nix an!

Aber ich komm wohl nicht drum herum zu erwähnen, dass ich in der Nähe von Frankfurt am Main wohne, wenn ich nun erzähle, dass ich auf der Goethestraße, kurz einfach „Goethe“ genannt, war.

Die Goethe ist quasi die Luxusmeile von Ffm und in den Mittagsstunden kann man beobachten, wie sie von den besserverdienenden Anzugträgern  der Bankenmetropole, aber auch von neureichen Osteuropäern und auf Europatour befindlichen Asiaten mit großem Geldbeutel frequentiert wird.

Einheimische Mittelschichtler und Schaulustige, sowie Label-affine Mädels, die monatelang auf das Prestigeobjekt ihrer Träume gespart haben, sind natürlich auch immer am Start.

Im Prinzip ist die Goethe aber eine Straße für das alleroberste Prozent unserer Gesellschaft.

Ich arbeite eigentlich im sozialen Bereich, gehöre somit nicht zur absoluten Oberklasse (wie warscheinlich keiner von uns),  halte aber so gar nichts von dem klischeehaften Tragen von Sandalen und Cordhosen.

Und wie lautet das Motto nochmal? Einfach mal was gönnen!!

Ich hatte heute so richtig Bock, meinen Look auf karrieregeile „Office-Schnalle“ zu trimmen.. da ich von Aigner sowieso schon eine schwarze Lederhandtasche  besitze, bin ich geradewegs in deren dort ansässigen Store gegangen und bin sehr glücklich mit einem neuen Accessoire wieder heraus gekommen.

GEIL GEIL GEIL!

Ich stehe total auf den klassischen Aigner-Look und sie fertigen auch viel in der EU.

Worauf ich nämlich gar keinen Bock habe: eine Tasche für mehrere hundert Euro zu kaufen und dann ein „Made in China“-Schildchen zu erblicken!

Auch wenn manche Firmen bestimmt auch in China mittlerweile bessere Löhne zahlen, habe ich beim Anblick eines solchen Schildchens immer stinkende Polyesterkleidung und kleine, arbeitende Kinderhände vor Augen.

Zurück vom Einkauf habe ich zu Hause auf der Plattform „Yelp“ Bewertungen über die einzelnen Boutiquen der Goethestraße gelesen und bin bei der Bewertung vom 21.07.2010 in schallendes Gelächter ausgebrochen.

Da geht jemand aus reiner Provokation mit Shorts, Dreitagebart und ALDI-Tüte in einen Hermès Store und dann platzt ihm auch noch die Tasche auf und die ganzen Lebensmittel liegen verstreut auf dem Boden herum!

Die Krönung ist dann aber die Frage nach einer Ersatztasche, wenn man bedenkt, dass man gerade in einem Laden ist, in dem Taschen mehrere tausend Euro kosten können!

„Wie provokant und geil und anstößig!“ denke ich mir so im ersten Moment. Und im Zweiten dann: „Was macht dieser Mensch eigentlich mit einer ALDI-Tüte bei Hermès? So Leute gehören doch gar nicht in solche Läden, kein Wunder wurde der so angeguckt ..“

WIE ABSURD SO ZU DENKEN EIGENTLICH!

Vor allem als jemand, der doch selbst nicht zu den obersten zehntausend gehört und auch bei Discountern einkauft und nach Sonderangeboten Ausschau hält?

Da sieht man halt mal wieder, welche Macht das Streben nach Exklusivität einfach besitzt und wie viel Einfluss Prestigemarken und Luxusgüter auf die Denkweise der Menschen nehmen. (Ich hätte es mich zumindest nicht getraut, dort mit ALDI-Tüte aufzutauchen!)

Ich liebe diese Story und widme der ALDI-Tüte als Sinnbild des ganzen Blogs deswegen auch meinen ersten Eintrag 🙂

 

2 Kommentare zu „Neulich auf der Goethe..“

  1. Dein Artikel spricht mir aus der Seele (y) – Fürwahr eine Szenerie, wie sie „frankfurterischer“ nicht sein könnte. Es ist ja schließlich die Stadt, in der die erzlinke Hausbesetzerszene bzw. deren Kinder und Enkel auf das ultrakapitalistische Milieu der Mainhattan-EZB-Banken-Aristokratie trifft. Der typische Frankfurter hat ein großes Problem sich auf eine konsequente Zugehörigkeit oder Meinung festlegen zu lassen. Man findet nirgendwo sonst so viele Individuen, die am einen Tag gegen den Kapitalismus und Großkonzerne sind und sich dann bei McDonalds und Starbucks, für die nächste Demo stärken. Ähnlich sind natürlich auch die Ultrakapitalisten, die ihre Brötchen bei Banken, Konzernen oder mit gehobenen Verkaufs-Artikeln bestreiten und dann im Edel-Bio-Laden ihre ayurvedischen Salze, Cremes, Stricksocken und Brotaufstriche aus Nepal oder sonst wo für dreistellige Beträge einzukaufen, um die Armut zu bekämpfen, die sie selbst mitverursachen. DAS ist das wahre Frankfurt und man kann es sich ruhig mal geben, wenn man mit Absurdität gut klar kommt. 😉

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